Arrival — Fast sehr guter Science-Fiction Film

Viele Science Fiction Filme vergessen, dass ihr Genre das Wort „Science“ im Namen trägt. Arrival versucht dies besser zu machen, scheitert jedoch am Ende doch daran.

Arrival — Guter Start

Arrival
©Sony Pictures

Gute Science Fiction Filme leben davon, dass sie die Wissenschaft hinter der Fiktion glaubwürdig rüberbringen. Blade Runner war so fantastisch darin, dass einige Dinge die damals noch die Fiktion darstellten, heute in den Bereich der Wissenschaft fallen. Matrix spielte mit den Errungenschaften der Neurophysiologie und erschuf eine Dystopie, in der wir von der uns erschaffenen künstlichen Intelligenz versklavt werden.

Arrival beginnt in dieser Hinsicht stark. Protagonisten sind diesmal jedoch nicht Gehirnchirurgen oder Physiker sondern eine Linguistin. Als mehrere Raumschiffe einer außerirdischen Lebensform auf dem Planeten landen, stellen sich die Oberhäupter der Nationen die Frage, wie sie mit diesen Wesen kommunizieren können. Wen sollte man da anderes Fragen als jemand, der die verschiedenen Sprachen des Erdballs studiert? Linguisten, aber auch Philosophen, haben in dieser Hinsicht durchaus etwas zu sagen. Wenn es nämlich darum geht, mit Wesen oder Völkern zu kommunizieren, deren Sprache man noch nie gehört hat und die unsere Sprache nicht verstehen, muss man einen Weg finden, diese Kommunikationsbarriere zu überwinden.

Dementsprechend gefesselt war ich vom Großteil des Films. Die Linguistin geht dabei vor, wie man es für eine Wissenschaftlerin in diesem Gebiet erwartet. Sie beginnt mit ostensiven Definitionen. Das heißt, sie zeigt auf Gegenstände und bringt den Aliens somit Wörter bei. Diese Antworten wiederum mit Schriftzeichen in Form von Kreisen. Das alles erfolgt nicht nur vom Armstuhl aus. Als einmal genügend Vokabular vorhanden war, machte man sich aktuelle statistische und informationstechnologische Mittel zu Nutze.

Und letztlich benötigen wir doch ein Wunder

Leider hält der Film seine Science Fiction nicht durch. Das was nun folgt enthält Spoiler für all diejenigen, die den Film noch nicht gesehen haben. Wer den Film also noch sehen möchte, sollte jetzt aufhören zu lesen.

Wie sich herausstellt, ermöglicht die Sprache der Aliens es, durch die Zeit zu reisen. Wir erfahren keinen wirklich plausiblen Grund, warum das so sein sollte. Noch ergibt es irgend einen Sinn. In einem gewissen Sinne können wir mit unserer Sprache auch in Zeit reisen. Wenn ich ein Geschichtsbuch aufschlage, dann kann ich nachlesen, was Napoleon getan hat. Aber natürlich kann ich trotzdem den Lauf der Geschichte nicht verändern, noch kann ich in der Vergangenheit anwesend sein. Warum sich dies mit der Aliensprache ändern soll, bleibt wohl ein Rätsel.

So wirft der Film in den letzten 20 Minuten alle Glaubwürdigkeit, die er durch seine gute wissenschaftliche Darstellung vorher aufgebaut hat über Bord. Geschweige denn die fragwürdige Entscheidung der Protagonistin ein Leben zu wählen, das für sie nicht so gut laufen wird, obwohl sie ja die Zukunft, die auf sie wartet, sehen kann. Entweder sie kann die Zukunft sehen, aber sie ist eh schon voraus bestimmt. Dann ist ihre Entscheidung auch nicht wirklich eine Entscheidung. Oder aber sie die Zukunft ist offen für Veränderung. Dann ist es fraglich, warum man ein Leben wählen sollte, in dem man die zwei wichtigsten Dinge, den Mann und das eigene Kind, verliert.

So verspielt Arrival leider die Chance ein wirklich guter Film zu sein.

Wer sich eine eigene Meinung verschaffen will, bekommt hier die Blu-Ray. Außerdem würdet ihr dabei helfen, diesen Blog noch besser zu machen.